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Sektion für Virologie
Department für Hygiene,
Mikrobiologie, Sozialmedizin
Medizinische Universität IBK

Peter-Mayr-Straße 4b
A-6020 Innsbruck

Tel.: 0512/9003-71701
Fax: 0512/9003-73701
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Humane Papillomviren
Papillomviren können gutartige sowie bösartige Tumoren in verschiedenen Spezies hervorrufen. Humane Papillomviren (HPV) gliedern sich in über 100 Typen, die je nach Typ gutartige Tumoren (Typ-6 und 11: z.B. Warzen, spitze Kondylome) oder Karzinome (vorrangig Typ 16, Karzinome der Schleimhäute) hervorrufen können (s. Tabelle 1).

Tabelle 1

Tumor


Häuftigste HPV Typen
Condylomata acuminata 6, 11
Warzen der Haut 6, 11
CIN, VAIN, VIN, PIN, AIN 16, 31, 33, 18 u.a.
Bowenoide Papulose 16
Zervixkarzinom 16, 18, 31, 33, 35, u.a. (s. Tab. 2)
Andere anogenitale Karzinome 16
Orales-/Larynx-Karzinom 16
Tonsillen-/Pharynx-Karzinom 16
Ösophagus-Karzinom 16, 18, 26, 57
Nasales Karzinom 16, 57

Das Zervixkarzinom ist praktisch immer mit einer HPV-Infektion assoziiert. So können mehrere HPV-Typen die Schleimhaut der Zervix infizieren, wobei die Infektion primär asymptomatisch verläuft. Meist wird das Virus nach einigen Monaten eliminiert, allerdings ohne dass eine effektive Immunantwort sich ausgebildet hätte. So ist der Patient nach einer durgemachten Infektion mit HPV i.d.R. nicht immun und kann erneut mit HPV infiziert werden, auch mit dem gleichen Typ. Ein Anteil der HPV-Infektionen persistiert jedoch und diese können nach mehreren Jahren zu zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN) und schlussendlich zum Zerviskarzinom (Typen 16, 18, 31, 33 u.a.) führen. Verschiedene HPV-Typen unterscheiden sich in der Fähigkeit zu persistieren sowie in ihrer Karzinogenität (s. Box). Die Infektion mit HPV kann nicht spezifisch antiviral therapiert werden.

Die epidemiologie von HPV ist regional unterschiedlich. Die Prävalenz der HPV-Infektion in Europa liegt zwischen 5 und 10% bei gesunden Frauen. In fast allen CIN und Zervixkarzinomen kann HPV nachgewiesen werden. Bei Gesunden wie auch bei Frauen mit Zervixkarzinom oder CIN findet man am häufigsten den Typ 16 gefolgt von den Typen 33, 52, 31 und 18, bei Gesunden, den Typen 33, 31 und 18 bei CIN3 und den Typen 18, 31, 33 beim Zervixkarzinom (Zahlen für Europa, WHO Bericht: Human Papillomaviruses, 2010; Tjalma et al, Int. J. Cancer, 2012). Mehrfach-Infektionen kommen in 20%-30% der Fälle vor. Für Österreich gibt es keine publizierten Daten zur Prävalenz verschiedener HPV-Typen bei gesunden Frauen oder beim Zervixkarzinom. Hier hat die Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck eine epidemiologische Studie für Tirol initiiert.

BOX - Karzinogenität verschiedener HPV-Typen

Sehr hohes Risiko: 16
Hohes Risiko: 18, 31, 33
Erhöhtes Risiko: 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59
Potentiell erhöhtes Risiko: 26, 53, 66, 68, 73, 82
Niedriges Risiko: 6, 11, 40, 42, 43, 44, 54, 61, 79, 72, 81

Die Übergänge zwischen diesen Gruppen sind fließend.
G Halec et al, Int Journal of Cancer, 2012
SK Kjaer et al, J Natl Cancer Inst, 2010


Zwei vorbeugende Impfungen gegen HPV sind zugelassen. Im Gegensatz zur natürlichen HPV Infektion induziert die Impfung eine Typ-spezifische Immunität. Zwei Impfstoffe sind zugelassen: Gardasil enthält HPV-16-, -18-, -6-, und -11-spezifische Kapsidproteine und schützt somit nicht nur vor dem Zervixkarzinom sondern auch vor Condylomata acuminata. Cervarix enthält HPV-16- und -18-spezifische Kapsidproteine, schützt somit nicht gegen Condylomata, enthält aber ein sehr potentes Adjuvans, wodurch eine gewisse Kreuzimmunität gegen einige "nicht-Typ-16, 18" HPV Hochrisiko-Typen induziert wird. Diese Typen sind bei CIN 2/3 nicht seltener als der Typ 18, was nahelegen könnte, dass Cervarix einen breiteren Schutz gegen Hoch-Risiko HPV-Typen bietet. Beide Impfungen sind sehr gut verträglich. Insbesondere gibt es keinen Hinweis auf eine erhöhte Mortalität nach der Impfung!
Empfohlen wir die Impfung vor allem für alle Mädchen vor dem Eintritt in das sexuell aktive Alter aber auch für alle sexuell aktivenh Frauen auch wenn sie bereits mit HPV infiziert sind oder waren! Eine Impfung von männlichen Jugendlichen und Männern ist wegen der durch sie möglichen Virusübertragung sinnvoll.

Die Diagnose einer HPV-Infektion erfolgt über den Nachweis des HPV-Genoms (DNA) in einem Zervixabstrich mittels PCR. Hier können alle gängigen Abstrichsets für Genitalabstriche mit flüssigem Transportmedium verwendet werden, z.B. das Multicollect-System. die Virologie Innsbruck stellt Abstrichsets für Einsender zur Verfügung.

Durch die große Variabilität der Karzinogenität der verschiedenen Hochrisiko HPV-Typen sollte bei Nachweis einer HPV Infektion immer auch eine Typisierung erfolgen. Hier genügt nach Auffassung der Virologie in Innsbruck nicht die Differnzierung zwischen HPV-16, HPV-18 und "anderen Hochrisiko-Typen". In der letzteren Gruppe finden sich HPV Typen mit ähnlicher Karzinogenität wie Typ-18 (z.B. HPV-31, HPV-33), die häufig mit CIN assoziiert sind und Typen mit sehr geringer Karzinogenität (s. Box). Die Spezifität der HPV-Diagnostik erhöht sich also enorm, wenn auch der spezifische HPV-Typ für die "anderen Hochrisiko HPV-Typen" bestimmt wird. Die Virologie an der MUI bestimmt für jeden positiven Nachweis von HPV auch den/die spezifischen Typ(en) aus einer Gruppe von 18 high risk Typen und 11 low risk Typen.